AKTUELLES
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Krebs:


Schädlicher Lebensstil
Zahlreiche Tumorerkrankungen ließen sich vermeiden, wenn die Menschen gesünder leben würden. Hauptrisikofaktor für Krebs: Rauchen


Was schon lange vermutet wurde, hat nun eine wissenschaftliche Studie in Großbritannien bestätigt: Mit 43 Prozent lassen sich fast die Hälfte aller Krebserkrankungen auf einen ungesunden Lebensstil oder Umweltfaktoren zurückführen. Dazu gehören vor allem der Tabakkonsum mit dem Spitzenwert von 19 Prozent, eine falsche Ernährung, Übergewicht und Alkohol. Das zeigen Daten des britschen Cancer Research Instituts, die im British Journal of Cancer veröffentlicht wurden. Würde man die Werte auf die 450.000 Menschen übertragen, die im Jahr 2010 in Deutschland an Krebs erkrankten, wären 192.000 der Fälle vermeidbar gewesen. Die Forscher betonen, dass Krebs nicht nur „Schicksal“ sei oder ausschließlich in den Genen liege. Die Menschen müssten die große Bedeutung eines gesunden Lebensstils verinnerlichen.

 

Neurologie:


Rätselhafte Virenattacken

Weitverbreitete Viren können das Gehirn schwer schädigen. Forscher untersuchen noch die Hintergründe

Die junge Frau klagte über plötzliche Angstzustände. Der Arzt in der Rettungsstelle rief den Psychiater. Dieser machte mit ihr einen Termin für die folgende ­Woche aus. Doch bereits zwei Tage später war sie wieder da – mit Kopfschmerzen und hochgradig verwirrt. Erst zwei Tage später, nach einer Computertomografie und einer Lumbalpunktion, kamen die Mediziner auf die richtige Fährte: Die Frau litt an einer Gehirnentzündung durch Herpesviren.
Die ist kein Einzelfall. Eine Herpes-Enzephalitis kann im Anfangsstadium unerkannt bleiben, was meist tragische Folgen hat. Wird die Infektion nämlich nicht oder zu spät behandelt, sterben daran mehr als 70 Prozent der Betroffenen. Diejenigen, die überleben, behalten in der Regel bleibende geisti­ge Schäden zurück.
Knapp tausend Menschen im Jahr erleiden in Deutschland eine Herpes-Enzephalitis. Das ist allerdings wenig, wenn man bedenkt, wie verbreitet Herpes-simplex-Viren (HSV) sind: Etwa 90 Prozent aller Bundesbürger weisen Antikörper gegen den Erreger auf. Viele Menschen beherbergen das Virus dauerhaft in ihrem Nervensystem, von wo aus es gelegentlich die lästigen Lippenbläschen hervorruft. Wie aber kommt es dann, dass die Viren in einigen Fällen derartig schwere Schäden anrichten? Wer ist gefährdet? Was kann man tun?
Mit solchen Fragen beschäftigen sich Neurologen. Offenbar müssen Erreger und Wirt auf eine besondere Art miteinander reagieren, damit eine Enzephalitis ausbricht. Die exakten Zusammenhänge sind aber noch unbekannt. Fest steht zumindest, dass die Erkrankung „spontan“ auftritt, also ­ohne einen benennbaren Anlass wie eine Ansteckung oder Immunschwäche. Ein intaktes Immunsystem begünstigt diese Form der Herpes-Enzephalitis wahrscheinlich sogar. Demzufolge schädigen die Abwehrversuche des Körpers die Nervenzellen erst richtig.
Daher untersuchen Neurologen derzeit in einer europaweiten Studie, ob ­eine Unterdrückung des Immunsys­tems einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf besitzt. Die eigentliche Therapie erfolgt mit Aciclovir, einem virushemmenden Medikament. Rechtzeitig angewandt, würde dies die Sterblichkeit bei einer Herpes-Enzephalitis immerhin auf 20 Prozent senken.
Auch andere Viren können dem Gehirn zusetzen. Grippeviren, der Erreger der Frühsommermeningo­enzephalitis (FSME) oder die ebenfalls zur Herpes-Familie gehörenden Varizellen sind solche Kandidaten. Die Erkrankung fällt in diesen Fällen aber meist weniger schwer aus, obwohl auch Todesfälle vorkommen. Viren infizieren außerdem relativ häufig die Hirnhäute. Eine solche ­„virale Meningitis“ verläuft – im Gegegensatz zur bakteriellen Hirnhautentzündung – jedoch fast immer gutartig. Normalerweise toleriert das Nervensystem Virusinfektionen gut. Viren können dort lebenslang vorkommen, ohne dass irgendetwas passiert. Verschiedene und erst ansatzweise verstandene Umstände können die friedli­che Koexistenz aber jäh beenden.

Auch sogenannte Kinderkrankheiten wie Mumps und vor allem Masern führen mitunter zu neurologischen Komplikationen. Bei jedem tausendsten Masernfall kommt es zu einer akuten, lebensgefährlichen Enzepha­litis. Weit seltener, aber immer tödlich ist eine mögliche Spätfolge der Masern, die subakute sklerosierende Panenze­pha­litis. Vor diesen Infek­tionen und ihren Folgen schützen Impfungen. So eine gibt es gegen Herpes-simplex nicht. Die eingangs erwähnte Frau hatte Glück im Unglück. Nach Gabe von Aciclovir überstand sie die Hirnentzündung gut.



Altersdemenz: Das Gehirn chemisch auf Trab bringen

Vergesslichkeit im Alter tritt auf, weil die Neuronen in einem für das Gedächtnis wichtigen Teil des Gehirns deutlich langsamer feuern, haben US-amerikanische Forscher bei Tierversuchen herausgefunden. Mit Hemmstoffen des cAMP-Signalwegs lässt sich dieser Vorgang jedoch teilweise rückgängig machen, schreiben sie im Fachjournal «Nature». Die Wissenschaftler konnten erstmals nachweisen, dass bei Affen im Alter die Feuerrate der Neuronen im präfrontalen Kortex deutlich nachlässt. Dieses Gebiet ist unter anderem für den Arbeitsspeicher und damit für Alltagsaufgaben und Lernen wichtig.

Bislang war unbekannt, wie sich die chemische Umgebung der Nervenzellen beim normalen Altern ändert. Die Forscher um Amy Arnsten von der Yale-Universität zeigten, dass bei älteren Affen zu viel cAMP vorliegt. Dies führt zur Öffnung von Kaliumkanälen und einer Hypopolarisierung. Dadurch reagierten die Neuronen deutlich langsamer, wenn die Versuchstiere sich kurzfristig Dinge merken sollten. Das Muster der neuronalen Antwort änderte sich dagegen nicht.

In einem weiteren Versuch blockierten die Forscher zwei Kaliumkanäle, die spezifisch für die Neuronen im präfrontalen Kortex sind und über cAMP aktiviert werden. Sie hemmten auch die cAMP-abhängige Phosphokinase. Dazu nutzen sie experimentelle Substanzen sowie den alpha-2a-Agonisten Guanfacin. Damit gelang den Forschern, die chemische Umgebung der Nervenzellen wieder so herzustellen, wie sie bei jüngeren Affen normal ist. Danach schnitten die älteren Tiere besser beim Erinnerungstest ab. Eine klinische Studie mit Guanfacin zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen läuft bereits. (db)

 

Welt-Hepatitis-Tag: Die Situation in Deutschland

Am 28. Juli wird der Welt-Hepatitis-Tag erstmals als offizieller Gesundheitstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) begangen. Zeitgleich hat das Robert-Koch-Institut (RKI) diese Woche die aktuellen Infektionszahlen für Hepatitis B, C und D in Deutschland vorgestellt. 2010 wurden 1843 Hepatitis-B-Fälle gemeldet. Davon entsprachen rund 40 Prozent der Referenzdefinition. Die Inzidenz lag bei 0,9 Erkrankten je 100 000 Einwohner und damit auf Vorjahresniveau. Insgesamt zeigte sich in den vergangenen zehn Jahren jedoch ein Rückgang, vor allem dank der allgemeinen Impfempfehlung für Kinder seit 1995. Männer erkranken häufiger als Frauen. Der Gipfel liegt im jüngeren Erwachsenenalter. Der häufigste Übertragungsweg sind sexuelle Kontakte.

Eine sexuelle Übertragung von Hepatitis C ist dagegen eher unwahrscheinlich, außer bei riskanten Praktiken unter gleichgeschlechtlichen Männern. Seitdem Blutprodukte auf das Flavivirus untersucht werden, wird das Virus hauptsächlich bei intravenösem Drogenkonsum übertragen. Auch hier sind vor allem Männer im jüngeren Erwachsenenalter betroffen. Im vergangenen Jahr erhielten 5283 Patienten die Erstdiagnose Hepatitis C. Die Inzidenz lag bei 6,5 Erstdiagnosen pro 100 000 Einwohner und damit etwas niedriger als 2009 (6,7 pro 100 000). Seit 2005 sinkt die Inzidenz. Eine Impfung existiert nicht, doch haben sich die Therapieoptionen verbessert. Laut Verband forschender Arzneimittelhersteller könnten zehn neue Therapieansätze in den kommenden vier Jahren zur Anwendungsreife gelangen.

Hepatitis D ist in Deutschland sehr selten. 2010 verzeichnete das RKI zehn Erkrankungen. Zusätzlich wurden 22 labordiagnostisch bestätigte Fälle akuter Hepatitis-D-Virus-Infektionen übermittelt, die das klinische Bild nicht erfüllten oder für die keine klinischen Informationen vorlagen. Hepatitis-D-Viren sind defekte RNA-Viren, die nur mit der Hülle eines Hepatitis-B-Virus die menschliche Leber infizieren können. Daher treten sie in der Regel als Koinfektion auf. Die Übertragung ist perkutan durch engen Kontakt, sexuell oder durch kontaminiertes Blut oder Blutprodukte möglich. Weder Impfung noch Therapie existieren. Die Verläufe sind in den meisten Fällen schwer und chronisch.

Weltweit hat nach WHO-Schätzungen bereits ein Drittel der Weltbevölkerung eine Infektion mit den Hepatitis-B-Viren durchgemacht; 5 Prozent (rund 350 Millionen Menschen) sind chronisch infiziert. Etwa 2 bis 3 Prozent der Weltbevölkerung hatte bereits Kontakt mit Hepatitis-C-Viren. 10 Millionen Menschen sind mit Hepatitis D infiziert.

Problematisch sind nicht die akuten Infektionen, sondern die chronische Leberentzündung. Weltweit gehen 57 Prozent aller Fälle von Leberzirrhose und 78 Prozent aller Fälle hepatozellulärer Karzinome auf Hepatitis B und C zurück. Pro Jahr sterben bis zu 1 Million Menschen an den Folgen einer Hepatitis-Infektion. (db)

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Celesio muss 116 Millionen Euro abschreiben

Bei Europas führendem Pharmahändler Celesio ist nach der Gewinnwarnung vom Juni nun das genauere Ausmaß der Belastung ersichtlich. 116,3 Millionen Euro müssen abgeschrieben werden, wie das Unternehmen heute mitteilte. Internationale Bilanzvorschriften hatten Celesio eine Überprüfung der Bücher beschert. Nun peilt der Großhändler für 2011 nun nur noch sein Minimalziel an.

Als Grund der Wertberichtigungen in dreistelliger Millionenhöhe nannte Celesio den Druck staatlicher Sparmaßnahmen und ein generell unsicheres Marktumfeld in Europa mit erstarkender Konkurrenz. Ziel für das laufende Jahr sind Finanzvorstand Christian Holzherr zufolge jetzt 600 Millionen Euro operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Das war zuvor das untere Ende der Messlatte. 2010 hatte Celesio ein EBITDA von 699,2 Millionen Euro erreicht.

Im Einzelnen muss der im MDax notierte Arzneimittelgroßhändler 72 Millionen Euro auf die im Herbst 2010 komplett übernommene Tochter Pharmexx abschreiben. Sie vermittelt Außendienstmitarbeiter für die Pharmaindustrie und soll eigentlich das Dienstleistungsgeschäft stärken. Das Großhandelsgeschäft in Dänemark wurde um 21 Millionen Euro nach unten wertberichtigt, das in Portugal um 23,3 Millionen Euro.

 

Betriebsrente: ADEXA prüft Schadensersatzansprüche

Apothekenleiter sind seit 2002 gesetzlich verpflichtet, ihre Angestellten über die Möglichkeiten der Betriebsrente zu informieren. Tun sie dies nicht, kann der Arbeitnehmer seinen Chef auf Schadensersatz verklagen. Darauf weist die Apothekengewerkschaft ADEXA hin, auch im Hinblick auf den neuen Tarifvertrag, der ab dem 1. Januar 2012 eine Betriebsrente beinhaltet.

«Nach der Informationspflicht der Arbeitgeber über die betriebliche Altersvorsorge müssen Arbeitnehmer unverzüglich über die Möglichkeiten, die ihnen zum Aufbau einer Altersvorsorge zur Verfügung stehen, aufgeklärt werden», schreibt ADEXA-Anwältin Iris Borrmann in einer Pressemitteilung. «Unverzüglich» bedeute in diesem Zusammenhang direkt mit Beginn des Arbeitsverhältnisses, beziehungsweise mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung aus dem Jahr 2002.

Das Gesetz soll es den Arbeitnehmern leichter machen, eine mögliche Rentenlücke zu schließen, zum Beispiel indem ein Teil des Entgelts in eine Betriebsrente umgewandelt wird. Dies sieht der neue Tarifvertrag für Apotheken vor, der bundesweit außer in Nordrhein und Sachsen gilt.

Da die Informationspflicht jedoch schon seit 2002 besteht, rät ADEXA nun seinen Mitgliedern, ihre Ansprüche zu überprüfen. «Die Höhe der Forderungen könnte sich an den bisher angefallenen Beiträgen für die Betriebsrente orientieren, die bei rechtzeitiger Aufklärung durch den Arbeitgeber gezahlt worden wären», schreibt ADEXA. Zudem könnten den Angestellten Steuervorteile entgangen sein. (db)

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Arzneimittelbehörde ruft Lacosamid-Sirup zurück

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat einen Rückruf für das Antiepileptikum Lacosamid in Sirupform (Vimpat® 15 mg/ml) angeordnet. Grund ist eine Ausflockung des aktiven Wirkstoffs. Patienten könnten so zu hohe oder zu niedrige Dosen des Antiepileptikums aufnehmen. Ärzte sollten ihre Patienten, wenn möglich, auf Vimpat-Filmtabletten umstellen. Eigenmächtig sollen die Patienten das Arzneimittel nicht absetzen. Apotheker sollten Vimpat-Flaschen vor der Abgabe auf Präzipitate überprüfen.

Damit genug Zeit für die Umstellung bleibt, gilt der Rückruf erst ab dem 15. September. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA untersucht derzeit, ob trotz des Qualitätsdefekts weiter der Nutzen der Formulierung das Risiko für Fehldosierungen und entsprechende Nebenwirkungen aufwiegt. Bislang sind den Behörden keine solchen Effekte gemeldet worden. Ob die Zulassung erhalten bleibt, geändert oder zurückgerufen wird, steht noch nicht fest.

Hersteller UCB Pharma hat derweil die Zulassung eines Sirups in der Konzentration 10 mg/ml beantragt, bei dem das galenische Problem nicht auftreten soll. Kann der Patient nicht auf die flüssige Arzneiform verzichten, ist solange ein individueller Import von Vimpat in Form einer oralen Lösung in der Konzentration 10 mg/ml aus den USA möglich.

Lacosamid ist in der EU zugelassen zur Zusatzbehandlung fokaler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Epilepsiepatienten ab 16 Jahren. Neben Sirup und Filmtabletten steht eine Infusionslösung 10 mg/ml zur Verfügung. (db)

Arzneistoffprofil Lacosamid (Vimpat® / 2008)

 

Wie Testosteron Männer vor Entzündungen schützt

Weil sie höhere Testosteronspiegel haben, treten bei Männern entzündliche und allergische Erkrankungen deutlich seltener auf als bei Frauen. Das fanden jetzt Jenaer Pharmazeuten um Professor Dr. Oliver Werz mittels In-vitro-Versuchen heraus. «In einer Reihe von Untersuchungen konnten wir zeigen, dass die Zellen, die für die Entstehung von Entzündungen verantwortlich sind, bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich reagieren», sagte Erstautorin Dr. Carlo Pergola vom Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität.

Die Forscher beobachteten, dass in Monozyten von Männern das Enzym Phospholipase D ungefähr halb so aktiv ist wie bei Frauen. Es gilt als Schlüsselenzym der Leukotrien-Biosynthese. In der Folge schütten die männlichen Zellen weniger entzündungsfördernde Substanzen aus. Gaben die Wissenschaftler weibliche Monozyten in männliches Plasma, sank auch hier die Enzymaktivität, berichten sie im Fachmagazin «FASEB Journal».

Es war laut Angaben bereits bekannt, dass Testosteron Männer vor Atherosklerose schützt. Nach diesen neuen Erkenntnissen könnte das männliche Sexualhormon auch der Grund sein, weshalb Frauen öfter an rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder Asthma leiden. Der Pharmazeutische Chemiker Werz plädiert daher dafür, mehr Frauen an klinischen Prüfungen von Arzneimitteln gegen Entzündungserkrankungen zu beteiligen. «Nach wie vor ist es in aller Regel so, dass neue Therapien ausschließlich an männlichen Probanden getestet werden», kritisiert Werz. Die Testergebnisse ließen sich jedoch nicht direkt auf Frauen übertragen.

 

Mehr Klinikaufenthalte durch psychische Erkrankungen

Aufgrund psychischer Leiden kommen laut einer Studie immer häufiger Menschen in Deutschland ins Krankenhaus. Im vergangenen Jahr waren es 8,5 von 1000 Versicherten, wie eine Analyse der Krankenkasse Barmer-GEK ergab. Vor 20 Jahren waren es noch 3,7 von 1000 gewesen. Der stationäre Aufenthalt wurde zugleich immer kürzer und verringerte von 45 auf 31 Tage. Am häufigsten treten Depressionen auf. 2,3 von 1000 Versicherten kamen deshalb ins Krankenhaus. Vor zehn Jahren waren es noch 1,1 von 1000 gewesen.

«Es ist beachtlich, in welchem Umfang sich deutsche Krankenhäuser inzwischen um die Versorgung psychisch kranker Menschen kümmern», sagte Barmer-GEK-Chef Rolf Schlenker. «Dennoch muss man fragen, ob jeder Fall ins Krankenhaus gehört.» Ziel solle sein, dass auch diese Erkrankungen stärker ambulant behandelt werden, wofür die Voraussetzungen aber verbessert werden müssten.

Hintergrund ist, dass bei psychisch Kranken die Wahrscheinlichkeit eines nochmaligen Klinikaufenthalts relativ hoch ist. In den ersten beiden Jahren nach der Entlassung wurden laut Analyse 30 Prozent der Patienten mit derselben Diagnose wieder eingewiesen, knapp 39 Prozent mit einer anderen psychischen Erkrankung.

Die relativ hohen Wiederaufnahmequoten zeigten, dass «zentrale Behandlungsziele wie das Nachlassen der Symptome und die Vorbeugung von Rückfällen vielfach nicht erreicht werden», sagte Studien-Autorin Eva-Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover. Für die Langzeitbetrachtungen wertete das Institut Daten der Krankenkasse GEK aus, die mittlerweile mit der Barmer fusioniert ist.

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