Resistente Darmbakterien
Amputationen bei Diabetikern
Zerkleinertes Obst und Blattsalate
Gesunde Ernährung beugt Falten vor
Lippenherpes selbst behandeln
Bewegungsarmut bei Kindern
Testosteronmangel bei Männern
Draufgänger oder Angsthase?
Hoher BMI fördert Gelenkverschleiß
Entzündete Zahnimplantate

Resistente Darmbakterien

Gefährliches Reise-Souvenir

Ärzte warnen vor antibiotikaresistenten Darmkeimen, die von Fernreisenden importiert werden. Antibiotika wie Penicillin und Cephalosporin verlieren bei diesen Bakterien ihre Wirksamkeit.

Penicillinpräparate wirkungslos

Touristen aus Asien oder dem Nahen Osten sind bei ihrer Rückkehr unter Umständen Träger von bestimmten Darmbakterien, die nicht auf die Behandlung mit Antibiotika wie Penicillin und Cephalosporin ansprechen. Diese Enterobakterien bilden ein Eiweiß, die Betalaktamase, mit dessen Hilfe sie Betalaktam-Antibiotika abbauen und unwirksam machen. Sie werden auch als ESBL-Keime bezeichnet (ESBL für Extended-Spectrum-Betalaktamase). Betalaktam-Antibiotika werden in Europa zur Behandlung von Infektionen mit dem Bakterium Escherichia coli eingesetzt.

„Speziell Fernreisen in Regionen mit hohen Zahlen ESBL-Trägern sind risikobehaftet“, erklärt Prof. Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena. Führend sei dabei Südostasien mit über 1 Milliarde ESBL-Trägern, gefolgt von den westpazifischen Staaten, dem Vorderen Orient und Afrika mit insgesamt 110 Millionen Betroffenen.

Import durch Fernreisende

Besonders unter einfachen hygienischen Bedingungen und bei eingeschränktem Zugang zu sauberem Trinkwasser verbreiten sich die ESBL-Keime. Rucksacktouristen sind häufig von einer Besiedelung mit ESBL-Bakterien betroffen. Auch nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub sind die Keime noch viele Monate im Darm nachweisbar und stellen eine Gefahr für immunschwache und kranke Personen dar. Zusätzlich verändern die Keime mit dem ESBL-Resistenzgen die Zusammensetzung der mikrobiellen Darmgemeinschaft, dem so genannten Mikrobiom. Das Mikrobiom beeinflusst die Ausbildung von Darm- und Lebererkrankungen sowie nachweislich die Neigung zu Fettleibigkeit und Diabetes.

Quelle: Ärztezeitung

Author: Simone Lang; Bildrechte: Nixx Photography/Shutterstock.com


Amputationen bei Diabetikern

Zu oft und zu schnell

Viele der jährlich etwa 50.000 Fußamputationen bei Patienten mit Diabetes sind nach Einschätzung von Experten vermeidbar. Teamarbeit zwischen den Ärzten und spezialisierte Kliniken verringern das Amputationsrisiko.

Weniger Amputationen in spezialisierten Einrichtungen

Oft beginnen die Probleme bei Diabetikern mit einer kleinen Verletzung am Fuß oder zu engen Schuhen. Ralf Lobmann vom Klinikum Stuttgart und Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erläutert: „Durch ihre Krankheit nehmen viele Diabetiker alles unterhalb des Knies nicht mehr aktiv wahr – auch keine Schmerzen. Zudem ist bei Diabetes das Immunsystem beeinträchtigt und so heilen Wunden schlechter.“

Ein Patient, der in ein Regelversorgungskrankenhaus komme, hat laut Lobmann ein Risiko von 10 bis 20 Prozent für eine Amputation. Durch regelmäßige Kontrollen, ein engmaschiges Therapienetz und vor allem gute Zusammenarbeit mehrerer Experten […] im Krankenhaus könne das Risiko für eine Amputation von 10 auf 3 Prozent gesenkt werden, führt Lobmann weiter aus. Er bezieht sich auf so genannte Majoramputationen, bei denen das Bein bis kurz unterhalb des Knies abgenommen wird. Hinzu kommt noch eine große Zahl kleinerer Amputationen von zum Beispiel einzelnen Zehen. „In einer zertifizierten Einrichtung der DDG liegt die Amputationsrate bei Majoramputation bei 3,1 Prozent. Das können wir anhand von über 30.000 Patientenfällen nachweisen“, fasst Lobmann zusammen.

Zeit für eine zweite Meinung vor Amputation

Auch, wenn die Zahl der Amputationen leicht gesunken sei, ist Lobmann der Meinung: „Es sind immer noch zu viele.“ In diesem Zusammenhang sieht er eher kritisch, dass die Vergütungen für die meist langwierige, konventionelle Behandlung gekürzt und die für Amputationen erhöht wurde. Die DDG sieht die Notwendigkeit einer ärztlichen Zweitmeinung vor Amputationen. Lobmann betont: „Die meisten Amputationen sind planbar. Da ist es nicht entscheidend, ob sie nach 24 oder 48 Stunden stattfinden.“

Quelle: Berufsverband Deutscher Internisten e. V.

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Zerkleinertes Obst und Blattsalate

Kühlen ist Pflicht

Verzehrfertige Obststücke und vorgeschnittene Blattsalate sind praktisch und beliebt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) prüft regelmäßig den Keimgehalt der Packungen und gibt Verbrauchertipps.

Verunreinigung mit Pilzen und Bakterien

Zerkleinertes Obst im Becher ist ein praktischer Snack für unterwegs und ein in Folie verpackter vorgeschnittener Blattsalat spart Zeit. Doch Vorsicht: Es handelt sich in jedem Fall um leicht verderbliche Lebensmittel. In der Plastikverpackung bildet sich Feuchtigkeit und die große Oberfläche der zerkleinerten Nahrungsmittel erleichtert das Wachstum von Mikroorganismen. Für Produktion und Verkauf von vorgeschnittenem Obst und Blattsalaten gelten deshalb besondere Hygienevorschriften. In regelmäßigen Abständen prüft das BVL bundesweit die mikrobiologische Sicherheit von verzehrfertig verpacktem Obst und Blattsalaten.

Im Jahr 2016 stand kleingeschnittenes Obst in Plastikverpackungen auf dem Prüfstand. Die Untersucher wiesen in mehr als jeder vierten Packung Pilzbefall nach (27 Prozent) und in etwa jeder zehnten befanden sich Darmbakterien – so genannte Enterobakterien (11 Prozent). Das Bakterium Escherichia coli, ein Anzeigekeim für fäkale Verunreinigungen, sowie Staphylokokken (unter anderem Verursacher eitriger Infektionen) waren sehr selten (jeweils unter 0,5 Prozent). Keine der Proben enthielt Salmonellen. Diese gesundheitsschädlichen Erreger fand das BVL bei der Untersuchung von Blattsalaten im vorangegangenen Jahr in 1 von 391 Packungen.

Tipps für Einkauf und Haushalt
Für Obst und Salat besteht bereits im Anbau das Risiko einer Verunreinigung mit Mikroorganismen. Während der Verarbeitung und nach dem Kauf erfolgt in der Regel kein Abtöten der Keime: Obst und Salat werden roh verkauft und verzehrt. Aus diesem Grund rät das BVL dem Verbraucher, unbedingt auf eine gekühlte Lagerung im Laden sowie auf die Daten für Verbrauch oder Mindesthaltbarkeit zu achten. Braune Stellen, viel Flüssigkeit in der Verpackung oder eine Wölbung der Folie sind Hinweise darauf, dass das Nahrungsmittel unsachgemäß gelagert wurde. Auch Zuhause ist Aufbewahrung im Kühlschrank Pflicht und das BVL rät, Produkte zu entsorgen, die längere Zeit der Wärme oder Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

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Gesunde Ernährung beugt Falten vor

Bei Frauen helfen Obst und Gemüse

Eine niederländische Studie lieferte neue Erkenntnisse im Kampf gegen Falten: Ältere Frauen, die sich gemüse- und obstreich ernährten, hatten weniger Gesichtsfalten. Für Männerhaut bestätigte sich dieser Zusammenhang nicht.

Viele Falten bei Rauchern und Sportlern

Das Team um die Dermatologin Selma Mekic von der Erasmus-Universität Rotterdam befragte in einer Studie über 2.700 Personen mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren zu ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Außerdem fotografierten sie die Gesichter der Teilnehmer und berechneten mit einem Computerprogramm den Faltenanteil.

Ältere Menschen wiesen mehr Falten auf als jüngere und Raucher mehr als Nichtraucher. Diese Ergebnisse galten für Frauen und Männer. Der negative Einfluss des Rauchens auf weibliche Haut war größer als auf Männerhaut: Die Haut von Raucherinnen war um 38 Prozent, die von männlichen Rauchern um 15 Prozent faltiger als die der Nichtraucherinnen und Nichtraucher. Beim Vergleich der sportlichen Aktivität hatten Sportlerinnen und Sportler deutlich mehr Gesichtsfalten als weniger sportliche Menschen.

Positiver Effekt gesunder Ernährung nur bei Frauen

Die Auswirkungen der Ernährung auf Falten im Gesicht untersuchten die Wissenschaftler mit einem Punktesystem. Je stärker sich ein Teilnehmer an die niederländische Ernährungsempfehlung hielt, umso mehr Punkte erreichte er auf einer Skala von 0 bis 100. Der Durchschnittswert der Niederländer liegt bei 60 Punkten.

Die Forscher zeigten, dass mit jeder Zunahme um 10 Punkte der Faltenanteil im Gesicht bei Frauen um 4,4 Prozent sank. Die wenigsten Falten hatten Frauen, die sich mit viel Gemüse und eher weißem statt rotem Fleisch ernährten sowie Frauen mit obstreicher Kost. Für Männer zeigte sich kein Zusammenhang mit der Ernährung.

Mekic und Kollegen zogen als Schluss, dass zumindest bei Frauen eine Ernährung mit hohem Anteil an Schweine- oder Rindfleisch die Faltenbildung beschleunigt. Umgekehrt vermuteten sie, dass der Verzehr von viel Obst und Gemüse aufgrund der pflanzlichen Inhaltsstoffe die Hautalterung bei Frauen verlangsamt.

Quelle: Ärzte Zeitung Online

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Lippenherpes selbst behandeln

Rezeptfreie Hilfe aus der Apotheke

Endlich Ferien! Doch bei der Fahrt zum Flughafen bemerken Sie ein unangenehmes Ziehen und Kribbeln an den Lippen. Stress, Erschöpfung oder eine Klimaveränderung reichen aus, um den schlummernden Herpes-Virus zu aktivieren. Was Sie gegen das Spannungsgefühl und die unschönen Bläschen tun können.

Zur richtigen Zeit das richtige Präparat

Häufig bereits im Kindesalter infizieren sich neun von zehn Menschen unbemerkt mit dem Herpesvirus. Viele Virusträger leben ihr ganzes Leben unbehelligt, nur bei einigen Menschen wird die Infektion mit dem Herpes simplex Typ-1-Virus zum wiederkehrenden Ärgernis.

Kribbeln, Brennen und ein Spannungsgefühl im Lippenbereich – das sind die ersten Anzeichen für einen Herpes-Ausbruch. Wenn Sie zu den Betroffenen gehören, ist die erste Wahl in diesem frühen Stadium eine Salbe, die Sie lokal auf die schmerzende Stelle auftragen. Präparate mit den Wirkstoffen Aciclovir (zum Beispiel Zovirax® Lippenherpescreme) und Penciclovir (zum Beispiel Pencivir®) erhalten Sie rezeptfrei in der Apotheke. Beide verhindern die Virusvermehrung und Sie dürfen die Cremes bis zu sechsmal am Tag auftragen. Für die ersten Tage eines Herpes-Ausbruchs eignet sich auch eine Lippencreme mit dem Wirkstoff Docosanol (zum Beispiel Muxan®).

Tipp: Das rezeptfreie Kombinationspräparat Zovirax® Duo enthält zusätzlich 1 Prozent Hydrokortison für ein schnelles Abheilen der Wunde.

Wenn die Bläschen da sind: austrocknen und heilen

Die Lippenbläschen sind nicht nur unschön, sie enthalten auch eine große Anzahl infektiöser Viren. Nach 3 bis 4 Tagen platzen die Bläschen auf und hinterlassen schmerzhafte Wunden. Am besten verwenden Sie Zink-haltige Gele wie zum Beispiel Virudermin® Gel, Widmer® Lipactin Gel. Auch Silizium-Gele binden die Wundflüssigkeit zuverlässig (zum Beispiel SOS® Lippen-Herpes-Gel). Eine Ansteckung mit Bakterien vermeiden Sie mit Cremes, die die Wirkstoffe Clioquinol (zum Beispiel Linola® sept) oder Tyrothricin (zum Beispiel Tyrosur®) enthalten.

Hinweis: Vermeiden Sie in dieser Phase unbedingt den engen Körperkontakt mit anderen Menschen. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wie Neugeborene, Senioren oder Krebspatienten kann der Kontakt mit Herpesviren sogar gefährlich sein.

Machen Sie Herpes unsichtbar: abkleben und überschminken

In Ihrer Apotheke erhalten Sie kleine Pflaster oder Herpespatches, mit deren Hilfe die Herpesbläschen fast verschwinden. Die Minipflaster schützen Ihre Lippen vor einer bakteriellen Entzündung und Ihre Mitmenschen vor einer versehentlichen Übertragung des Virus. Die Herpespflaster fördern mit der enthaltenen Hydrokolloidschicht das Abheilen der Wunde (zum Beispiel Zoviprotect® Lippenherpes Patch, Compeed® Herpesbläschen Pflaster, Herpes-Patch Wund med®) und lindern den unangenehmen Juckreiz.

Tipp: Die Herpespflaster lassen sich problemlos mit Make-up oder Lippenstift überschminken.

Homöopathie bei Herpes: Ihr Apotheker berät Sie

Sind Sie auf der Suche nach einer Alternative zur Schulmedizin? Lassen Sie sich von Ihrem Apotheker zum geeigneten Wirkstoff und zur Dosierung von homöopathischen Mitteln wie beispielsweise Rhus toxicodendron, Dulcamara oder Hepar sulfuris beraten.

Hinweis: Die Selbstmedikation bei Herpes hat Grenzen. Heilt der Lippenherpes auch nach einer Woche nicht ab, bildet sich in den Bläschen Eiter oder kommt sogar Fieber hinzu, ist ein Besuch beim Arzt dringend anzuraten.

Ein paar Verhaltensregeln, wenn Sie merken, dass ein Herpes-Ausbruch droht:

  • Berühren Sie die Lippenbläschen nicht.

  • Kratzen Sie die Bläschen nicht auf und vermeiden Sie unbedingt, dass Sie den Virus auf die Augen übertragen. Am besten tragen Sie in der Zeit eines Herpes-Ausbruchs keine Kontaktlinsen.

  • Vermeiden Sie von sich aus engen Kontakt mit anderen Menschen, ganz besonders mit Schwangeren und Kleinkindern.

  • Teilen Sie auf keinen Fall Besteck, Tassen, Handtücher, Waschlappen oder Kosmetika mit anderen Mitgliedern Ihres Haushalts.

  • Meiden Sie starkes Sonnenlicht und verwenden Sie einen Sunblocker für die Lippen.

Quelle: Dr. Claudia Bruhn: Lucky lips, Deutsche Apotheker Zeitung, Seite 32, Ausgabe 21/2018 vom 24.05.2018.

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Bewegungsarmut bei Kindern

Eltern als (un)sportliches Vorbild

Neun von zehn Kindern bewegen sich weniger als eine Stunde am Tag. Dies ergab eine von der AOK durchgeführte Eltern-Umfrage. Kinder nehmen sich bei körperlicher Aktivität die Eltern als Beispiel.

Körperlich aktiv in der Freizeit: kein Widerspruch

Der stellvertretende Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes Jens Martin Hoyer bringt die Ergebnisse der Familienstudie auf den Punkt: „Wir haben ein dickes Problem.“ Fast jeder dritte Vater und jede zweite Mutter sind übergewichtig, besitzen also einen Body-Mass-Index (BMI) über 25. Übergewicht ist eng verbunden mit zu wenig Bewegung. Die AOK-Studie bestätigte: Bei drei Vierteln der normalgewichtigen Eltern gehört körperliche Aktivität untrennbar zur Freizeitgestaltung dazu, bei übergewichtigen oder adipösen Eltern (BMI über 30) sind nur 33 beziehungsweise 43 Prozent dieser Meinung.

Knapp jedes zweite Elternteil bewegt sich zusammen mit seinem Kind (45 Prozent). Bei Eltern von Vier- bis Sechsjährigen sind es 57 Prozent, bei Eltern von Kindern im Alter zwischen 11 und 14 Jahren sieht es schlechter aus: Hier sind nur 27 Prozent der Eltern gemeinsam mit den Kindern aktiv.

Die Ursachen für den Bewegungsmangel sind vielfältig: Neben Übergewicht spielen fehlende Zeit, psychische Probleme und Konflikte in der Partnerschaft eine Rolle.

Bewegungsmangel führt zu gesundheitlichen Problemen

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Kinder eine tägliche körperliche Aktivität von mindestens 60 Minuten. Nur jedes 10. Kind erfüllte in der AOK-Familienstudie dieses Kriterium. Dem gegenüber waren 39 Prozent der Kinder schlecht gelaunt, jedes fünfte Kind hatte Einschlafprobleme und jedes zehnte litt unter regelmäßigen Bauchschmerzen. Auch die Eltern erkannten die negativen Folgen von zu wenig Bewegung und wünschen sich zu 80 Prozent mehr Spiel- und Sportplätze im Freien.

Quelle: Ärztezeitung

Author: Simone Lang; Bildrechte: Evgeny Atamanenko/Shutterstock.com


Testosteronmangel bei Männern

Risiko für Diabetes steigt

Eine große deutsche Studie untersuchte die Häufigkeit eines Testosteronmangels und die Auswirkungen auf den Stoffwechsel. Bei zu geringem Testosteronspiegel erkrankten Männer häufiger an Diabetes Typ 2. Experten raten zur Vorsorge.

Hormondefizit mit Folgen

Eine bundesweite Studie der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V. (DGMG) ermittelte bei über 20.000 Männern den Spiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron. Bei fast jedem siebten Studienteilnehmer lag ein deutlicher Testosteronmangel vor – Ärzte sprechen in solchen Fällen von Hypogonadismus. Die Symptome eines Testosteronmangels sind oft wenig eindeutig und individuell verschieden. Neben Abnahme der sexuellen Lust (Libidoverlust) und Erektionsstörungen kommt es zu depressiven Gedanken, Erschöpfung, Hitzewallungen und der Zunahme von Körperfett.

Die Studienergebnisse zeigten deutliche Auswirkungen des Hormondefizits auf den Stoffwechsel: Männer mit Hypogonadismus litten häufiger an Diabetes Typ 2 als Männer mit unauffälligem Testosteronwert (Zunahme um 68 Prozent). Davon sind nach Expertenmeinung oft auch Männer ohne typische Risikofaktoren für Diabetes wie zum Beispiel Übergewicht betroffen. Umgekehrt kann bei Diabetikern mit Symptomen wie Abgeschlagenheit und Erektionsstörungen ein bisher unerkannter Testosteronmangel vorliegen.

Vorsorgeuntersuchungen für Männer ab 45 ratsam

Internationale Arbeiten weisen darauf hin, dass Männer mit Testosteronmangel und Diabetes Typ 2 ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben im Vergleich zu Betroffenen ohne begleitenden Diabetes. „Deshalb empfehlen die aktuellen europäischen Leitlinien bei Männern mit Erektionsstörungen, Diabetes oder mit großem Übergewicht eine Testosteronbestimmung zur Abklärung eines Testosteronmangels“, erklärt der Urologe Tobias Jäger. Für Männer ohne Beschwerden rät der Präsident der DGMG Prof. Frank Sommer, dass sie ab 45 Jahren regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt wahrnehmen sollten.

Quelle: Berufsverband Deutscher Internisten e. V.

Author: Miriam Knauer; Bildrechte: Syda Productions/Shutterstock.com


Draufgänger oder Angsthase?

Risikobereitschaft ist vorhersagbar

Psychologen der Universität Jena machten den Prozess für mehr oder weniger risikoreiche Entscheidungen über Messung der Gehirnströme sichtbar. Sie sagten erfolgreich das Risikoverhalten bestimmter Personen voraus.

Risikoverhalten beim Kartenspiel

Projektleiterin Barbara Schmidt vom Institut für Psychologie der Universität Jena erklärt das Experiment: „Im Vorfeld haben wir mit Hilfe eines Fragebogens 20 sehr ängstliche und 20 wenig ängstliche Personen ausgewählt. Während des eigentlichen Experiments sollten die Probanden dann in mehreren Runden aus jeweils zwei verdeckten Karten eine umdrehen, wodurch sie maximal elf Cent pro Durchgang gewinnen konnten. Wichtig ist dabei, dass sie sich zwischen zwei Varianten entscheiden müssen: entweder eine risikoreiche mit Gewinnen von entweder elf oder null Cent und eine risikoarme, bei der die Testpersonen entweder fünf oder sechs Cent gewinnen konnten. Der Erwartungswert war mit 5,5 Cent immer gleich.“ Die ängstlichen Personen wählten häufiger die risikoarme Variante.

Gehirnaktivität spiegelt Abwägen von Risiko wieder

Während des Versuchs zeichneten die Wissenschaftler ein Elektroenzephalogramm (EEG) auf, das die Hirnströme sichtbar macht. Ein bestimmtes Signal – die Frontal Midline Theta Power – war besonders dann erhöht, wenn die Probanden ihre Entscheidung trafen. „Mit unserer Untersuchung ist es uns nun gelungen darzustellen, dass die Frontal Midline Theta Power eine erhöhte kognitive Kontrolle, also ein intensiveres Abwägen, während des Entscheidungsprozesses anzeigt“, erläutert Schmidt das Ergebnis. „Wir haben die psychologische Ausgangssituation, die dazu passende Hirnaktivität […] und das daraus resultierende Verhalten. Die Verbindung zwischen Ängstlichkeit und dem damit verbundenen Verhalten ist also komplett erklärt.“

Schmidt möchte in weiteren Studien die gewonnenen Erkenntnisse auf das Feld der Hypnose anwenden. „Ich möchte […] beispielsweise herausfinden, ob Menschen mehr Risiko eingehen, wenn man ihnen unter Hypnose vermittelt, dass sie sich sicher fühlen.“

Quelle: eurekalert

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Hoher BMI fördert Gelenkverschleiß

Übergewicht schadet Knieprothese

Normales Körpergewicht schont die Gelenke und vermeidet in einigen Fällen den Einsatz von künstlichen Kniegelenken. Auch Menschen mit Knieimplantat profitieren von einem Body-Mass-Index (BMI) im Normalbereich.

Normalgewicht macht viele Operationen überflüssig

Prof. Karl-Dieter Haller, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist sicher: „Übergewicht geht auf die Kniegelenke und ist einer der Hauptgründe für Arthrose.“ Je höher der BMI, desto schneller schreite der schmerzhafte Gelenkverschleiß voran. „Bei Übergewichtigen tritt die Kniegelenksarthrose oft schon in jungen Jahren auf“, ergänzt Heller. Schon 5 Kilogramm zu viel verdoppeln das Risiko, an einer Kniearthrose zu erkranken.

Zahlen des Robert Koch-Instituts belegen: Etwa 7 von 10 Männern und jede zweite Frau im Alter zwischen 18 und 79 Jahren sind übergewichtig, besitzen also einen BMI über 25. Jeder vierte Erwachsene gilt als adipös und liegt mit seinem BMI über 30. Mit dem Körpergewicht steigen auch die Risiken für Operationen. „Übergewicht geht oft mit Mehrfacherkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Problemen in Kombination mit Diabetes, einher“, erklärt Heller. Ausmaß und Tiefe des Operationsschnitts sind größer und die Präzision des operativen Eingriffs könne laut Heller beeinträchtigt sein. „Die Fettschicht ist schlechter durchblutet und damit auch die darüberliegende Haut. Dadurch sind die Wundränder unterversorgt und können absterben, […] der Nährboden für Infektionen ist damit gelegt.“

Gut vorbereitet in Prothesen-Operation

„Wir empfehlen unseren Patienten deshalb, vor einer geplanten Prothesen-OP abzunehmen und etwas für die allgemeine Fitness zu tun“, sagt Prof. Florian Gebhard, Präsident der AE-Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik. Übergewichtigen, die wenig trainiert sind, rät Gebhard, auf Elektrofahrräder umzusteigen. Sie schonen die Gelenke und unterstützen bei Anstiegen. Auch nach der Operation fordert Heller von den Patienten, regelmäßig ihr Gewicht zu kontrollieren und aktiv zu bleiben, denn auch das künstliche Gelenk profitiere von weniger Kilos und trainierter Muskulatur.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

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Entzündete Zahnimplantate

Implantate pflegen wie eigene Zähne

Ähnlich wie an natürlichen Zähnen entwickeln sich Entzündungen auch an künstlichem Zahnersatz. Regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt und gute häusliche Zahnpflege verringern das Risiko, dass sich Beläge bilden und das Zahnimplantat schädigen.

Am Anfang steht der Zahnbelag

In Deutschland werden pro Jahr etwa 1 Million Zahnimplantate eingesetzt. Durch schlechte Mundhygiene bildet sich an diesem Zahnersatz ein Belag, genau wie an natürlichen Zähnen. Zahnbelag – auch Plaque genannt – löst eine Entzündung der Mundschleimhaut (Mukositis) aus. „Wenn dieser Belag gründlich entfernt wird und sich die Mundhygiene verbessert, heilt die Entzündung binnen weniger Wochen“, erklärt Prof. Frank Schwarz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e. V. (DGI). Bleibt die Entzündung unbehandelt, greift sie in der Folge tiefere Gewebeschichten und den Kieferknochen an. Zahnärzte sprechen in diesem Fall von einer Periimplantitis. Als Komplikation droht der Verlust der künstlichen Zahnwurzel.

Aktuelle Studienergebnisse belegen die Häufigkeit von Entzündungen bei Zahnimplantaten. Eine schwedische Forschergruppe untersuchte knapp 600 Betroffene, die bereits 9 Jahre ein Implantat trugen. Ein Drittel der Probanden litt an einer Mukositis. Bei fast der Hälfte der Patienten mit Mukositis lag bereits eine Periimplantitis vor: Die Entzündung hatte den Kieferknochen erfasst und zu einem Gewebeabbau geführt.

Prohpylaxe ist entscheidender Faktor

„Patienten mit chronischer Parodontitis, schlechter Plaquekontrolle und fehlender regelmäßiger Mundhygiene nach der Implantattherapie haben ein erhöhtes Risiko für eine Periimplantitis“, führt Schwarz aus. Er ergänzt: „Wichtig sind auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und professionelle Zahnreinigungen, deren Häufigkeit dem individuellen Risiko des Patienten angepasst wird.“ Problematisch sind nach Expertenmeinung dabei ungünstig positionierte Implantate, da sie häusliche Zahnpflege und ärztliche Nachsorge erschweren.

Quelle: DGI

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