Verdauung fängt im Kopf an
Ausdauertraining verjüngt Zellen
Ohrenpflege – so geht's
Blutdruck: zu hoch oder noch normal?
Schnarchen schadet Beziehung
Vorsorgeleistung für Männer
ADHS durch frühe Einschulung?
Besser mollig als Raucher
Befreiung von Rezeptgebühr
Hilfe bei Erdnussallergie

Verdauung fängt im Kopf an

Essen für die Sinne

Bereits der Anblick und der Duft eines leckeren Essens geben dem Körper das Startsignal für die Produktion von Verdauungsenzymen und Speichel. Kölner Forscher untersuchten die Wege, über die Gehirn und Leber Kontakt miteinander aufnehmen.

Körper bereitet sich zeitig auf Nahrungsverwertung vor

Wann stellt sich der Körper auf die Verdauung von Nahrungsbestandteilen ein? Wenn die ersten Bissen im Mund sind oder schon vorher? Schon länger ist bekannt, dass während der so genannten Kopfphase – also beim Riechen, Sehen und Schmecken – alle Bereiche des vegetativen Nervensystems aktiviert werden: Die Herzfrequenz steigt, die Speichelproduktion im Mund kommt in Gang und der Magen gibt Enzyme zur Verdauung der Nahrung ab. Auf diese Weise ist die Verstoffwechslung der aufgenommenen Nahrung sichergestellt.

Auge & Nase senden Startsignal an Leber

Das Wissenschaftlerteam um Prof. Jens Claus Brüning vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung fand kürzlich heraus, dass nicht nur der Magen-Darm-Trakt, sondern auch die Leber durch den Geruch und den Anblick von Speisen über Nervenzellen (Neurone) im Gehirn aktiviert wird, Verdauungsenzyme freizusetzen.

Brüning und sein Team wiesen nach, dass während der Kopfphase noch weitere Prozesse der Nahrungsverwertung angekurbelt werden: Im Gehirnbereich des Hypothalamus, der wichtigsten Schaltzentrale des vegetativen Nervensystems, existieren Neurone, die ausschließlich durch Riechen und Sehen von Essen aktiviert werden und der Leber signalisieren, dass Verdauungsenzyme bereitgestellt werden müssen. Claus Brandt, Erstautor der Studie, fasst zusammen: „Der Körper reagiert nicht erst auf die Nahrung, wenn sie aufgenommen wurde, sondern bereits auf die sensorischen Signale, die mitteilen, dass sie bald ankommen wird. Somit kann er eine effiziente Verstoffwechselung des Essens gewährleisten.“

Quelle: Ärzteblatt

Author: Simone Lang; Bildrechte: Alliance/Shutterstock.com


Ausdauertraining verjüngt Zellen

Mit Sport gegen das Altern

Dass sportliche Betätigung gesund für Herz und Kreislauf ist und auch im Alter fit hält, ist unstrittig. Welche Sportart wirkt sich am positivsten auf den Gewinn an Lebensjahren aus? Dieser Frage gingen Forscher aus Homburg und Leipzig nach.

Sport ist nicht gleich Sport

An der Untersuchung nahmen 124 gesunde, aber inaktive Erwachsene teil. Der Kardiologe Christian Werner von der Universität des Saarlandes und sein Team analysierten, wie sich unterschiedliche Arten intensiver sportlicher Betätigung auf verschiedene Messgrößen niederschlagen, die mit langem Leben verknüpft sind.

Die zelluläre Alterung spiegelt sich in der Länge der so genannten Telomere wieder. Bei Telomeren handelt es sich um Abschnitte der Erbsubstanz, die sich an den Enden der Chromosomen befinden und sich schützend um das Erbgut der Zelle legen, um diese vor dem Zelltod zu bewahren. Alternde Zellen besitzen somit kürzere Telomere als jüngere Zellen. Ein weiterer Alterungsmarker ist das Eiweiß Telomerase, das eine Verkürzung der Telomere verhindert.

Die Personen der Kontrollgruppe führten für die Dauer der Studie (6 Monate) ihren inaktiven Lebensstil weiter. Die zweite Gruppe nahm 3 Mal pro Woche an einem 45-minütigem Ausdauertraining teil. Die dritte Gruppe erhielt ein Intervalltraining mit einem Wechsel von 4 Minuten Anstrengung und 4 Minuten Erholungspause. Die vierte Gruppe durchlief 3 Mal wöchentlich ein Zirkeltraining an 8 verschiedenen Fitnessmaschinen mit je 20 Wiederholungen.

Wirkung bis auf Chromosomenebene

Alle Teilnehmer der Sportgruppen erzielten einen ähnlichen Trainingseffekt, was die erhöhte Laufgeschwindigkeit und die gesunkene Herzfrequenz im Vergleich zu den Kontrollpersonen zeigte.

Eine Veränderung der Altersmarker ließ sich nur bei den Gruppen mit Ausdauer- und Intervalltraining feststellen: Die Telomere waren verlängert und die Telomerase-Aktivität erhöht. Die Gruppe mit Krafttraining wies ähnlich wie die Kontrollgruppe kaum Veränderungen dieser Parameter auf. Für den Erstautor der Studie Werner bestätigt dieses Resultat die Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, wonach Krafttraining nicht als Ersatz, sondern eher als Ergänzung von Ausdauertraining betrachtet werden sollte.

Ob ein halbes Jahr sportliches Training aber ausreicht, um langfristig die Zellen zu verjüngen und länger zu leben, ist laut Studienleiter Prof. Ulrich Laufs Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Quelle: Ärzteblatt

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Ohrenpflege – so geht's

Finger weg von Wattestäbchen

Unser Ohr leistet Enormes. Gleich für zwei Sinneswahrnehmungen ist es zuständig: den Hörsinn und den Gleichgewichtssinn. Tipps zur richtigen Pflege und Reinigung dieses wichtigen Organs.

Selbstreinigung der Ohren unterstützen

Die Ohren reinigen sich selbst und zwar rund um die Uhr. Kleine Flimmerhärchen in den Gehörgängen transportieren durch ständige Bewegung abgestorbene Hautschuppen, Fremdkörper und Schmutz- und Staubpartikel nach außen. Unterstützt werden die Härchen vom Ohrenschmalz, dem sogenannten Cerumen. Ohrenschmalz ist kein Schmutz. Im Gegenteil: Da Partikel daran haften bleiben, hilft das klebrige Sekret, den Gehörgang zu reinigen. Außerdem bildet Ohrenschmalz einen Säureschutzmantel, der das Eindringen von Krankheitserregern oder Insekten verhindert und die Haut fettet, um sie geschmeidig zu halten. Um die Ohren zu reinigen genügt es, diese Selbstreinigungsfunktionen zu unterstützen.

Sanfte Säuberung

Mit einem Waschlappen oder Wattepad können Sie die Ohrmuscheln sanft säubern und den heraus transportierten Schmutz entfernen. Alternativ lassen Sie unter der Dusche etwas warmes Wasser in den Gehörgang laufen und trocknen die Ohrmuschel anschließend mit einem weichen Tuch ab.

Hinweis: Seife oder Shampoo sollten nicht in die Ohren gelangen.

Gegen trockene Haut hilft es, die Ohrmuschel vorsichtig mit einigen Tropfen Babyöl einzureiben. Auch hinter den Ohren sollten Sie sich regelmäßig waschen und die Haut anschließend gut abtrocknen. Kinder benötigen dabei Hilfe. Denn bei fehlender oder falscher Reinigung entstehen bei Ihnen besonders schnell Entzündungen am und im Ohr.

Wattestäbchen meiden

Wattestäbchen haben in den Ohren nichts zu suchen. Die harten Stäbchen können kleine Hautverletzungen verursachen und eine Angriffsfläche für Bakterien und Pilze bieten. Die Folge sind Ekzeme und schmerzhafte Entzündungen des Gehörgangs. Bei unsachgemäßer Benutzung besteht außerdem das Risiko, das empfindliche Trommelfell zu reizen oder zu verletzen. Zum anderen schieben Q-Tipps das Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang, wo es eintrocknet und sich zu einem Pfropf verklumpen kann.

Tipp: Wenn Sie nicht auf Wattestäbchen verzichten wollen, steigen Sie auf spezielle Sicherheitsstäbchen für Babys um. Diese haben ein verdicktes Ende und dringen nicht zu tief in den Gehörgang ein.

Ohrenschmalzpfropf professionell entfernen lassen

Eine weitere Ursache für einen Ohrenschmalzpfropf ist eine übermäßige Produktion von Ohrenschmalz. Dann reicht die Selbstreinigungsfunktion der Ohren nicht aus. Ohrenschmalz sammelt sich im Gehörgang, trocknet ein und bildet einen harten Pfropf. Bei älteren Menschen entsteht der Verschluss oft, da die Drüsen weniger Fett erzeugen und das Ohrenschmalz fester wird. Die Folgen sind Druckgefühle, Schmerzen und Schwerhörigkeit. Ohrentropfen oder -sprays mit Pflanzenölen aus der Apotheke helfen Ihnen, das Cerumen zu entfernen.

Hinweis: Hat sich bereits ein harter Pfropf gebildet, sollten Sie sich an einen HNO-Arzt wenden. Dieser entfernt den Schmalzpfropfen durch Absaugen, mithilfe eines kleinen Häkchens oder durch eine Spülung mit körperwarmem Wasser.

Author: Sandra Göbel; Bildrechte: Bohbeh/Shutterstock


Blutdruck: zu hoch oder noch normal?

Neuer Grenzwert für Behandlung

Ist ein Absenken der Grenzwerte für eine Blutdruckbehandlung sinnvoll und sterben weniger Personen an Herzerkrankungen, wenn der Arzt früher mit der Behandlung beginnt? Diese Frage stellten sich Münchner Forscher.

Unterschiede bei amerikanischen und deutschen Grenzwerten

Wissenschaftler um Karl-Heinz Ladwig von der Technischen Universität München und dem Helmholtz Zentrum München überprüften, ob weniger Menschen an Herzerkrankungen sterben, wenn die Schwelle für eine Blutdruckbehandlung niedriger angesetzt wird. Anlass der Studie ist eine neu erlassene Richtlinie in den USA für Bluthochdruck. Laut amerikanischen Vorgaben beginnt eine Behandlung, wenn im so genannten Bluthochdruckstadium 1 Werte zwischen 130-139 mmHg/80-89 mmHg gemessen werden. Im Gegensatz dazu sieht die Europäische Gesellschaft für Kardiologie bei diesen Werten noch einen erhöhten normalen Blutdruck ohne Behandlungsbedarf.

Die Münchner Forscher werteten die Daten von rund 12.000 Patienten in Deutschland aus. „Wir haben untersucht, wie hoch innerhalb eines Zeitraumes von 10 Jahren das Risiko für Menschen in den verschiedenen Blutdruckkategorien war, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben und welche anderen Risikofaktoren jeweils vorlagen“, erläutert Seryan Atasoy, Epidemiologin und Erstautorin der Studie.

Niedrigere Grenzen schlecht für Psyche

Personen mit Werten aus dem Stadium 1 starben nicht häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen als Menschen mit normalem Blutdruck. Zusätzlich brachte die Daten der behandelten Patienten mit gefährlichem Bluthochdruck zwei Erkenntnisse: Die Motivation, aufgrund einer Diagnose den Lebensstil umzustellen, ist sehr gering, da Rauchen und Bewegungsmangel in dieser Gruppe besonders ausgeprägt sind. Außerdem scheint sich eine Behandlung eher negativ auf die Psyche auszuwirken: Jeder Zweite in dieser Gruppe leidet unter depressive Verstimmungen, verglichen mit jedem Dritten Nicht-Behandelten.

„Wird man offiziell mit dem Etikett 'krank' versehen, wirkt sich das auf die psychische Gesundheit aus“, führt Ladwig aus. Das Herabsetzen der Behandlungsgrenze in den USA hat zur Folge, dass der Anteil an behandelten Bluthochdruckpatienten von 32 Prozent auf 46 Prozent steigen wird. Ladwig erläutert: „14 Prozent werden also zusätzlich psychischem Druck ausgeliefert, ohne dass für sie eine signifikant höhere Gefahr bestehen würde, eine tödliche Herz-Kreislauferkrankung zu entwickeln und ohne, dass eine Motivationswirkung […] zu erwarten wäre.“ Eine Übernahme der US-Leitlinien für Europa wäre daher aus Ladwigs Sicht nicht zu empfehlen.

Quelle: Ärzteblatt

Author: Simone Lang; Bildrechte: kurhan/Shutterstock.com


Schnarchen schadet Beziehung

Belastung für Körper und Partner

Wie wohltuend ein erholsamer Nachtschlaf ist, merkt man erst, wenn er gestört ist – zum Beispiel durch einen schnarchenden Partner. Hinter den lauten Atemgeräuschen stecken aber manchmal auch ernste Erkrankungen.

Schlechter Schlaf neben einem Schnarcher

Eine aktuelle forsa-Umfrage unter 1012 Personen im Auftrag der Initiative Deutschland schläft gesund der Deutschen Stiftung Schlaf bringt es an den Tag: Ein schnarchender Partner stellt eine ernsthafte Belastung für die Beziehung dar. Drei Viertel der befragen Frauen und 6 von 10 Männern gaben bei der Befragung an, dass ihr Lebenspartner schnarcht. Die Konsequenz ist bei zwei Dritteln der Fälle eine gestörte Nachtruhe und bei fast jedem 8. Betroffenen führt das laute Schnarchen zu getrennten Schlafzimmern.

Die Partner von Schnarchern entwickeln unterschiedliche Strategien, mit denen sie den nächtlichen Lärm versuchen zu stoppen: Sie reichen vom Anstoßen des Schnarchers (45 Prozent) über Umdrehen im Bett (21 Prozent) und Aufwecken (11 Prozent) bis zur räumlichen Trennung in der Nacht.

Manchmal Hinweis auf schwerwiegende Ursache

Unter den Schnarchern weiß nur ein Bruchteil (5 Prozent), dass ein Gang zum Arzt durchaus ratsam sein kann. Nächtliche Atemaussetzer, die das Schnarchen manchmal begleiten, können ernsthafte körperliche Folgen haben: Diese meist unbemerkte Schlafapnoe wird mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Bronchitis und chronischem Husten sowie asthmatischen Beschwerden in Zusammenhang gebracht. Auch ein schlecht eingestellter Diabetes und Schlaganfälle scheinen laut Schlafforschern mit dem Schnarchen in Verbindung zu stehen.

Quelle: Ärzteblatt

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Vorsorgeleistung für Männer

Kritischem Gefäßriss vorbeugen

Insbesondere für Männer höheren Alters besteht die Gefahr, dass sich im Bauchraum eine erweiterte Körperschlagader, ein so genanntes Aneurysma, bildet. Ein Riss des Gefäßes ist lebensbedrohlich. Experten raten, zeitig einen Termin für die kostenlose Vorsorgeuntersuchung zu machen.

Einmalige Leistung für Männer über 65 Jahren

Ein Bauch-Aortenaneurysma ist eine krankhafte Ausweitung der Hauptschlagader (Aorta), die bei Männern im höheren Alter 5-fach häufiger auftritt als bei Frauen. Überschreitet die Aussackung eine kritische Grenze, droht sie zu reißen und es kommt innerhalb von Sekunden zu lebensgefährlichen inneren Blutungen.

Wird eine erweiterte Bauchschlagader rechtzeitig erkannt, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Arzt beobachtet die Veränderungen in nachfolgenden Untersuchungen oder er operiert, wenn das Risiko für einen Riss groß ist. „Genau das will das neue Screening leisten“, erklärt Prof. Thomas Schmitz-Rixen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin. Seit 2018 bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung einer erweiterten Bauchaorta an. Männer über 65 Jahren haben einen einmaligen Anspruch auf eine Ultraschalluntersuchung und die begleitende Beratung. Beides kann der Hausarzt vornehmen.

Nicht zögern: Vorsorgetermin machen

Wie Studien zeigen, verhindert die Früherkennung 3 Todesfälle bei 1000 untersuchten Männern. Bei fraglichen Fällen, die der Arzt weiter beobachtet, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für nachfolgende Ultraschallscreenings.

Männer, die rauchen, bereits länger unter Bluthochdruck leiden oder erhöhte Fettwerte im Blut aufweisen, gehören zu den Risikopatienten für ein Bauch-Aneurysma. Auch familiär gehäuft auftretende Aneurysmen und Herzkrankheiten erhöhen die Gefahr für eine erweiterte Bauchschlagader. „Wir raten diesen Risikopatienten, nicht zu lange abzuwarten und einen Screening-Termin zu vereinbaren“, betont Schmitz-Rixen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

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ADHS durch frühe Einschulung?

Aufmerksamkeitsstörungen immer häufiger

Sind Kinder in der Schule unruhig und konzentrieren sich schlecht, steht schnell die Diagnose ADHS im Raum. Amerikanische Forscher haben nun untersucht, ob solche Kinder schlicht zu früh eingeschult wurden.

Stichtag entscheidet über Alter bei Einschulung

In vielen Ländern regelt ein Stichtag, in welchem Alter Kinder eingeschult werden. Das hat zur Folge, dass der Altersunterschied zwischen den Schülern in vielen Grundschulklassen bis zu einem Jahr beträgt. Eine amerikanische Forschergruppe der Harvard Medical School hat nun eine interessante Beobachtung gemacht: Bei Kindern, die im August geboren wurden und deswegen noch sehr jung eingeschult wurden, wurde 34 Prozent häufiger eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert als bei solchen Kindern, die auf Grund ihres Geburtstags im September noch ein Jahr länger zuhause blieben. Untersucht wurden über 400 000 Grundschüler der Jahrgänge 2007 bis 2009. Die früh eingeschulten Kinder erhielten zudem 32 Prozent häufiger Medikamente wie Methylphenidat gegen die Erkrankung. Vor der Einschulung war die Anzahl der gestellten Diagnosen völlig unabhängig vom Geburtsmonat.

Mangelnde Schulreife statt ADHS

Die deutlichen Ergebnisse der Studie legen nah, dass die Diagnose ADHS oft gestellt wird, weil Kinder zu früh eingeschult werden. Denn auch fehlende Schulreife ist oft ein Grund, warum Kinder nicht still sitzen können und nur wenig Interesse am Unterricht haben. Häufig sind es dann die Lehrer, die Eltern auf Verhaltensauffälligkeiten aufmerksam machen und so den Gang zum Arzt einleiten. Andere Studien zeigen ganz ähnliche Phänomene: So haben Kinder, die nach dem Stichtag geboren sind, also später eingeschult werden, häufig bessere Noten als ihre jüngeren Mitschüler.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

Author: Sara Steer; Bildrechte: stockfour/Shutterstock.com


Besser mollig als Raucher

Rauchstopp lohnt sich trotz mehr Kilos

Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt häufig erst einmal ein paar Kilo zu. Auch, wenn ein etwas Gewicht zusätzlich auf die Waage kommt, überwiegen die gesundheitlichen Vorteile des Nicht-Rauchens.

Rauchstopp bedeutet Gewinn an Lebenszeit

Der Konsum von Nikotin steigert den Grundumsatz des Körpers und dämpft das Hungergefühl. Dementsprechend haben Menschen einen gesteigerten Appetit, wenn sie sich das Rauchen abgewöhnen. Ehemalige Raucher legen durchschnittlich 4 bis 5 Kilogramm an Gewicht zu, wenn sie konsequent auf Nikotin verzichten. „Lange Zeit war unklar, ob dieser Effekt den Gewinn an Lebenszeit, der durch den Rauchstopp erzielt wird, teilweise wieder zunichtemacht“, erläutert der Lungenspezialist Prof. Claus Vogelmeier. Diese Bedenken könne die aktuelle amerikanische Studie zerstreuen.

Wissenschaftler aus Boston werteten die Daten mehrerer Langzeitstudien aus, bei denen für 160.000 Teilnehmer Angaben zu Rauchstatus, Gewicht und Gesundheit vorlagen. Über einen Beobachtungszeitraum von im Durchschnitt 20 Jahren verglichen die Forscher Veränderungen, die ein Rauchstopp verglichen mit fortgesetztem Rauchen zur Folge hat.

Nichtrauchen hat nur Vorteile – wenn das Gewicht stabil bleibt

Die Gefahr, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen Ursachen zu sterben, war für alle Ex-Raucher deutlich geringer als für die Gruppe der Immer-noch-Raucher. Der Gewinn an Lebenszeit galt laut den amerikanischen Forschern für alle Gewichtsgruppen. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Vogelmeier ergänzt: „Dieser Effekt stellt sich sehr rasch nach dem Rauchstopp ein und wird in den ersten zehn bis fünfzehn Jahren immer größer.“ Lediglich Personen mit einer sehr starken Gewichtszunahme (mehr als 18 Kilogramm) hatten ein ähnliches Risiko wie Raucher, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

In den ersten 5 bis 7 Jahren nach dem Verzicht auf Zigaretten stieg das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, zunächst an und fiel danach wieder ab. „Das Diabetesrisiko stieg dabei umso stärker, je mehr Gewicht die Teilnehmer zulegten“, führt Vogelmeier aus. Ex-Raucher, die weniger als 5 Kilogramm zunahmen, waren von diesem Effekt nahezu nicht betroffen.

„Als Fazit bleibt festzuhalten: Ein Rauchstopp lohnt sich immer“, fasst DGIM-Generalsekretär Prof. Ulrich Fölsch die Studienergebnisse zusammen. Dies gelte auch für andere Krankheiten wie beispielsweise Rheuma und Magen-Darm-Leiden, unter denen Raucher deutlich stärker leiden als Nichtraucher.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

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Befreiung von Rezeptgebühr

Bei Krankenkassen beantragen

Für Patienten mit häufigen Verschreibungen bedeuten die jährlichen Rezeptgebühren eine erhebliche finanzielle Belastung. Welche Voraussetzungen sind für eine Zuzahlungsbefreiung notwendig? Die Apothekerkammer Niedersachsen gibt hilfreiche Tipps.

Grenze für Zuzahlung erreicht?

Gesetzliche Zuzahlungen kommen aus unterschiedlichen Bereichen auf den Patienten zu: bei Rezeptgebühren für Medikamente, bei Heil- und Hilfsmitteln, nach Krankenhausaufenthalten und Rehamaßnahmen. Es existiert ein Eigenanteil, den Patienten aus eigener Tasche zahlen müssen. Die Höhe richtet sich nach dem Haushalts-Bruttoeinkommen durch beispielsweise Gehalt oder Rente. Die Belastungsgrenze für alle in einem Haushalt lebenden Personen liegt jährlich bei 2 Prozent der Bruttoeinkünfte. Patienten mit chronischen Erkrankungen unterliegen einer Höchstgrenze von lediglich 1 Prozent beim Eigenanteil.

Bei Überschreiten der Belastungsgrenze können sich Patienten von weiteren Zuzahlungen bei ihrer Krankenkasse für das laufende Jahr befreien lassen. Bereits zu viel geleistete Beträge erstatten die Krankenkassen auch rückwirkend. Allerdings müssen Betroffene alle Zahlungsbelege und Quittungen zusammen mit ihrem Einkommensnachweis bei den Kassen vorlegen. Dabei ist wichtig, dass alle Belege den korrekten und vollständigen Namen des Versicherten enthalten. Bei Bedarf legen die Mitarbeiter der Apotheken für Stammkunden ein Kundenkonto an, über das problemlos alle geleisteten Zahlungen abrufbar sind.

Befreiung auch im Voraus möglich

Manche Patienten wissen bereits im Vorfeld, dass sie mit ihren Zuzahlungen einen Betrag oberhalb der Belastungsgrenze erreichen. Für die Betroffenen besteht die Möglichkeit, den persönlichen Grenzbetrag an die Krankenkasse zu entrichten und in der Folge für das laufende Kalenderjahr von allen Zuzahlungen befreit zu werden. Das lästige Sammeln von Belegen und Quittungen entfällt ebenfalls.

Quelle: Apothekerkammer Niedersachsen

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Hilfe bei Erdnussallergie

Therapie für den Ernstfall

Kommen Erdnussallergiker auch nur mit kleinen Mengen des Allergens in Kontakt, sind die Folgen mitunter lebensbedrohlich. Eine neue Therapie könnte Betroffene zumindest vor den schlimmsten allergischen Symptomen schützen.

Gefährliche Allergie mit steigender Tendenz

Etwa jedes 100. Kind in Deutschland reagiert allergisch auf Erdnüsse: Das äußert sich in Magen-Darm-Beschwerden über heuschnupfenartige Symptome bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Bei manchen Menschen reichen für schwere Reaktionen kleinste Mengen Erdnusseiweiß aus, das über die Nahrung, bloßes Einatmen oder über die Haut in den Körper gelangt.

Der Verzicht auf erdnusshaltige Produkte ist die einzig mögliche Therapie. Für Betroffene gestaltet sich das schwierig; auch in unverdächtigen Produkten wie zum Beispiel Speiseöl, Cornflakes, Müsli, Chips, Wachsmalstiften und Kosmetika sind häufig Spuren von Erdnüssen enthalten.

Eine Arzneimittelstudie an 66 Kliniken in Amerika und Europa setzte sich zum Ziel, Erdnussallergiker mit Hilfe einer Gewöhnungstherapie zumindest vor den schlimmsten allergischen Beschwerden zu bewahren. An der Studie nahmen insgesamt 551 Patienten teil, die allergisch auf Erdnüsse reagierten. Die meisten (496) waren jünger als 18 Jahre. Voraussetzung für eine Teilnahme war unter anderem eine positive Reaktion auf 100 Milligramm Erdnussprotein, was etwa einem Drittel der in einer Erdnuss enthaltenen Menge entspricht.
Die Teilnehmer erhielten zu Beginn der Untersuchung 0,5 Milligramm Erdnussprotein, wobei sich die Menge über 22 Wochen auf eine Dosis von 300 Milligramm steigerte, die dann über ein halbes Jahr verabreicht wurden.

Therapie schützt vor Folgen eines versehentlichen Kontakts

Zwei Drittel der Patienten im Alter von 4 bis 17 Jahren (67 Prozent) waren nach Therapieende in der Lage, eine Dosis von 600 Milligramm Erdnussprotein (entspricht 2 Erdnüssen) zu tolerieren, verglichen mit 4 Prozent der Kontrollgruppe. Eine Menge von 3 bis 4 Erdnüssen (1000 Milligramm) vertrug noch die Hälfte der Patienten, aber nur 2,4 Prozent der Kontrollgruppe.

Eine bestehende Erdnussallergie heilt durch die orale Immuntherapie nicht aus, die Patienten sind jedoch weitgehend vor den gravierenden Folgen eines versehentlichen Kontakts geschützt, zu dem es bereits beim Essen in der Kantine oder im Restaurant kommen kann.

Die Aussicht für eine baldige Zulassung der oralen Immuntherapie in den USA sind gut und in Europa wird demnächst mit einem Antrag auf Zulassung gerechnet.

Quelle: Ärzteblatt

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